Hier könnt Ihr den Redebeitrag lesen, den wir auf der Demo für ein Autonomes Zentrum mit feuerfestem Aquarium am 31. Januar gehalten haben:
Aachen im Oktober 2003: Eine Gruppe von Menschen besetzt das bis dahin leerstehende Gebäude in der Goethestraße 3. Ihr Ziel ist es einen Ort zu schaffen, der Raum bietet für Politik, Musik und Kunst, frei von Kommerz und Konsumzwang. Einen Ort der frei von Rassismus, Sexismus und homophoben Mackertum sein soll. Einen Ort der unter Selbstverwaltung Platz bietet für all die Ideen und kreativen Einfälle der jungen Menschen.
Nach nur 3 Wochen des selbst angeeigneten Freiraums wird die Goethestraße 3 von einem riesigen Aufgebot von über 800 Polizeibeamten geräumt. Die 19 anwesenden Freiraumarchitekten werden in Gewahrsam genommen und mit einem juristischen Nachspiel bedacht. Für einige von Ihnen kostet der 3 Wöchige Traum vom sozialen Zentrum fast 1000 Euro.
Es folgen noch mehrere Besetzungen in den darauffolgenden Monaten, die Projekte scheitern aber immer wieder.
Besetzungen sind nicht erwünscht in Aachen.Freiräume, die von uns geschaffen werden sind nicht mal geduldet sondern werden zerstört.
Köln im Sommer 2004: Eine Gruppe von Menschen versuchen mit dem Projekt Pingutopia ihre Utopie von einem Stück mehr Freiraum in Köln zu verwirklichen. Gemeinsam besetzen sie die leerstehenden Gebäude in der Südstadt. Ihr Ziel ist es gemeinsam ihren Traum von einem sozialen Köln auch für die Menschen zu schaffen, die mit der Konsummaschinerie nichts anfangen können, sie wollen einen Ort schaffen, an dem man auch mal ohne Geld Menschen treffen kann und zum Selbstkostenpreis Essen bekommt oder mal ein Konzert hören kann.
Nach drei Wochen und vier Tagen wird Pingutopia am 17.august 2004 geräumt, die Gebäude werden noch am selben Tag dem Erdboden gleich gemacht. Der Traum vom sozialen Zentrum ist auch hier ausgeträumt.
Auch die Stadt Köln duldet keine Besetzungen für ein Stück mehr selbstverwalteten Freiraum. Auch hier folgen Repressionen.
Besetzungen sind nicht erwünscht in Köln. Freiräume die wir schaffen werden nicht einmal geduldet sondern zerstört.
Diese beiden Beispiele für erfolglose Besetzungen stehen nur exemplarisch dafür wie in Deutschland Bemühungen um ein bischen mehr alternativer Räume mit brutalster Repression niedergeknüppelt werden. Es könnte eine lange Liste von ähnlichen erfolglosen Projekten erzählt werden.
Für uns waren diese beiden Projekte persönliche Erfahrungen die uns 4 Jahre später dazu gebracht haben einen neuen Weg zu denken. Immer noch auf der Suche nach dem Ort an denen wir unsere Utopie von einenm anderen Leben verwirklichen könnten, immer noch hungrig auf ein bischen selbstverwalteten Freiraum für Konzerte, Ausstellungen, politischen Treffen, Kunst und unkommerziellen Zusammensein, immer noch hungrig auf ein bischen anderes Köln, haben wir uns im Herbst 2007 dazu verabredet unseren Traum auf ein Neues zu versuchen.
Diesmal wollten wir ein wenige schlauer sein, die Räumungen aus Goethestraße und Pingutopia waren uns ins Gedächtnis eingebrannt, die Repressionen die folgten wollten wir nicht noch einmal erleben. Dieses mal wollten wir unsere Energie dafür verwenden den Raum von dem wir träumten zu schaffen und nicht unsere Energie dafür zu verschwenden diesen zu verteidigen. Anstatt schlafraubender Nachtwachen wegen Räumungsgefahr wollten wir die Zeit lieber nutzen um kreativ unser Projekt zu gestalten.
Wir beschlossen uns dem kapitalistischen System anzupassen und uns unsere Halle oder Haus zu mieten. Diesmal sollt uns die Staatsmacht nicht mehr aus unseren Räumen vertreiben können. Dieses mal waren wir bereit einen für uns hohen Preis zu zahlen um nicht erneut Opfer der Repression zu werden.
Mieten statt besetzen. Ein VErsuch sich der Grundlage für Repression und ZErstörung zu entziehen.
Der Versuch Freiräume zu schaffen die weniger angreifbar sind.
Daß wir die Schnapsfabrik überhaupt gefunden haben, verdanken wir einem purem Zufall. Bei einer Schnitzeljagd durch Kalk entdeckte einer von uns das Gebäude an dem auch zufällig gerade der Vermieter irgendetwas am räumen war. Ein schnelles: "Kann man das Gebäude eventuell mieten - hab jetzt keine Zeit, weil gerade auf einer Schnitzeljagd - vielleicht können wir ja telefonieren, hier meine Telefonnummer - ja bis bald".
Wenige Wochen später war es soweit: wir hatten uns als Gruppe unterschiedlichster Menschen zusammengefunden und begannen im Februar mit dem Entrümpeln, dem Einzug und dem Renovieren. Bis zum Eröffnugnstermin Anfang Mai war zwar längst noch nicht alles fertig, aber genug um endlich mit der Schnapsfabrik anzufangen. Seit dem gab es regelmäßig Konzerte, Parties, Gaumenkino, Flohmarkt, Fotoausstellung und Politik.
Die Schnapsfabrik war als Convergence Center nicht nur Anlaufpunkt für viele Menschen die nach Köln kamen um gegen Pro Köln Anti-Islamisierungs-Kongreß zu demonstrieren, sondern bot schon wochenlang zuvor den Menschen, die dies alles organisierten den Raum um einen wichtigen Teil der Gegendemonstrationen zu planen.
Wir selbst als Gruppe der Schnapsfabrik haben im vergangenen Jahr viele Erfahrungen gemacht. Wir konntne endlich erleben was für eine Arbeit es ist den Freiraum zu schaffen den wir uns erwünschten. Wir haben viel Energie und Arbeit in diesen Traum gesteckt, viele udn regelmäßige Plena gehalten und hatten dabei viele schöne Erfolgserlebnisse. Die Resonanz unserer Besucher gab uns Recht: "Die Schnapsfabrik ist ein Gewinn für Köln und Kalk - Köln hat ein Ort wie die Schnapsfabrik gefehlt - Die Schnapsfabrik ist einfach Klasse!"
Alternatives Leben gestalten. Freiräume schaffen und nicht zerstört lassen.
Im November kam ein Brief in der Schnapsfabrik an. Wir sollten uns beim Bauaufsichtsamt melden. Scheiße.
Eigentlich waren wir gerade dabei nach neun monaten ausprobieren und erfarungen sammeln das konzept und die strukutr der schnapsfabrik zu überdenken um menschen von außerhalb mehr in den Gestalungsprozess der Schnapsfabrik zu integrieren.
Nicht nur wir waren am planen auch unser VErmieter hatte gefallen an der schnapsfabrik gefunden und uns eine VErlängerung des Mietvertrags von einem Jahr angeboten und vielleicht sogar noch mehr - damit defintiv Zeit bis im september 2010 und eine ganz andere Grundlage um zu planen.
Aber von vorne:
Bereits im Mai beschwerte sich ein Nachbar über die Aktivitäten der Schnapsfabrik. Da war gerade mal die Eröffnungsfeier gefeiert. Allerdings beschwerte er sich nicht bei uns und hat auch nie mit uns geredet, sondern hat von vornherein die Behörden kontaktiert. Er ließ prüfen, ob die Nutzung unsererseits im Einklang mit dem Gewerbeaufsichtsamt und den Bauverordnungen der Stadt standen. Daß sich das Verfahren tatsächlich bis in den November zog haben wir nur den langsamen Mühlen der Bürokratie zu verdanken.
Dann ging es plötzlich schnell. Noch vor Weihnachten war das Bauaufsichtsamt bei uns zu Gast und hat in einer ersten mündlichen Verfügung uns drei Tage Zeit gegeben die Schnapsfabrik zu verlassen. Nebenbei sei bemerkt, daß die Behörde dafür auch noch 120€ in Rechnungn stellte uns diesen unwillkomenen Besuch abzustatten. Unsere Anwältin legte daraufhin sofort Klage ein, es folgte ein juristisches hin und her. Die erste Verfügung wurde zurückgezogen, neue folgten mit immer krasserer Repression gegen uns.
ERste Phase wichtige private Sachen rausschaffen weil wir das Gebäude nicht mehr betreten dürfen, dann alle privaten Sachen weil nicht klar war wie lange sich das VErfahren hinziehen würde , zum Schluß alles weil wir die komplette Nutzung einstellen sollten und auch unserem Vermieter der Zugang komplett untersagt wurde. Seit dem 11. Januar ist die Schnapsfabrik wieder komplett leerstehend.
Diese Zeit war für uns geprägt von einem GEfühl der absoluten Machtlosigkeit konnten wir anfangs aus Angst vor noch mehr Repression nicht einmal sagen dass nicht unsere Arbeitsräume wie es im VErtrag steht genommen werden sondern unser Wohnraum und mit ihm ein zentraler LEbensinhalt. Auf der anderen Seite hat uns gerade diese Zeit gezeigt wie wichtig für euch alle die Schnapsfabrik war und Mut gemacht weiterzumachen(, wenn auch nicht in der schnapsfabrik?.)
Die Bewohner sind mehr oder weniger anderweitig untergekommen. Danke an unseren großen UnterstützerInnen-Kreis der uns dabei geholfen hat neue Bleiben zu finden und uns vor allem geholfen hat die komplette Fabrik in kürzester Zeit leer zu räumen.
Alternatives Leben scheint in Köln nicht erwünscht. Freiräume wurden auch hier nicht einmal geduldet, sondern zerstört.
die situation der Schnapsfabrik bleibt weiterhin unklar, als ein Raum für Veranstaltungen, Treffen, Parties, Konzerte und was sonst noch alles dort platz hatte wird sie nicht mehr bestehen können.
Aus der Energie, der Wut und der Dynamik vieler Menschen, die als Reaktionen auf das Vorgehen des Bauaufsichtsamtes und damit auch der Stadt Köln entstanden sind, ist die KAmpagne Pyranha entstanden. Wir lassen uns unsere Räume nicht nehmen, wir wollen einen Raum mit dem Charme der Schnapsfabrik und noch viel mehr Möglichkeiten.
OB Fritz Schramma, in Deinem Namen ist das alles passiert. In Deinem Namen wurde ein wichtiger Ort für alternative Kultur in Köln vernichtet. Tritt zurück und nimm den Krügel gleich mit Dir.
Köln braucht alternatives Leben. Freiräume müssen geschaffen werden und nicht zerstört werden.
